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Kurz gesagt

Einen Marderbiss am Auto zahlt in der Regel die Teil- oder Vollkasko, eine reine Haftpflichtversicherung zahlt nichts. Folgeschäden wie ein überhitzter Motor sind nur je nach Tarif mitversichert. Gegen neue Bisse helfen vor allem eine Motorwäsche, die Duftmarken entfernt, sowie Elektroschockgeräte oder eine Abschottung des Motorraums.

  • 2024 registrierten die Kfz-Versicherer laut GDV rund 252.000 Marderschäden mit durchschnittlich etwa 620 Euro Schaden.
  • Marder beißen vor allem, wenn sie im Motorraum die Duftmarke eines Rivalen riechen, etwa nach dem Parken in einem fremden Revier.
  • Die Kasko ersetzt je nach Tarif nur die zerbissenen Teile oder auch Folgeschäden an Motor und Elektronik.
  • Als wirksam gelten Elektroschockgeräte und Motorraum-Abschottungen, Duftstoffe und Hausmittel wirken nur kurz.
  • Marder unterliegen dem Jagdrecht: Fangen dürfen sie nur Berechtigte, am Wohnhaus meist nur mit Genehmigung der Jagdbehörde.

Der Motor stottert, eine Warnleuchte geht an, unter dem Auto steht eine Pfütze: Häufig steckt ein Steinmarder dahinter. Laut GDV registrierten die Kfz-Versicherer 2024 rund 252.000 Marderschäden an kaskoversicherten Fahrzeugen, das sind 6,1 Schäden je 1.000 versicherte Fahrzeuge. Dieser Beitrag erklärt, warum Marder zubeißen, woran Sie einen Befall erkennen, was die Versicherung zahlt und welcher Schutz nachweislich hilft. Sitzt der Marder nicht nur im Motorraum, sondern auch im Dach, finden Sie Informationen zur legalen Marderabwehr am Haus auf unserer Leistungsseite.

Warum beißen Marder Kabel im Auto?

Marder beißen vor allem aus Revierverhalten: Riecht der Motorraum nach einem Rivalen, greift das Tier die markierten Teile an. Besonders heftig reagiert es, wenn ein Auto nachts in einem fremden Marderrevier parkt.

Der NABU beschreibt den Ablauf im Info-Blatt Steinmarder so: Marder markieren ihre Umgebung und auch den Motorraum mit Urintropfen. Stellt der Halter sein „markiertes“ Auto in einem anderen Revier ab, fühlt sich der dortige Revierinhaber durch den Duft provoziert und kann Kabel durchbeißen. Daneben erkunden Marder ihre Umgebung mit den Zähnen, manchmal vorsichtig, manchmal fester.

Der Deutsche Jagdverband ergänzt, dass Steinmarder Autos als „Speisekammer, Schlafplatz oder Aussichtsplattform“ in ihr Revier einbeziehen. Vor und während der Paarungszeit im Juli und August verteidigen sie es besonders energisch.

Wann ist die Gefahr für Marderbisse am größten?

Die meisten Marderschäden melden die Versicherer zwischen April und Juni. Laut GDV-Meldung vom März 2025 sind es in dieser Zeit bis zu 1.100 Schäden täglich.

Der ADAC nennt zwei Aktivitätsspitzen: das Frühjahr mit Rivalenkämpfen und den Herbst, wenn Marder Schlaf- und Ruheplätze suchen. Ein kurzer Blick unter die Motorhaube lohnt sich deshalb vor allem in diesen Monaten.

Woran erkennen Sie einen Marder im Auto?

Typische Spuren sind Pfotenabdrücke, Haare, zerfetztes Dämmmaterial und Bissstellen an Kabeln oder Schläuchen. Manche Marder schleppen auch Futter in den Motorraum.

Das NABU-Info-Blatt nennt als „Hinterlassenschaften“ angeschleppte Brötchen, Eier, manchmal tote Beutetiere, Haare, Pfotenabdrücke sowie Schäden an Dämmung und Kabeln. Besonders häufig wird die Dämmmatte unter der Motorhaube zerfleddert.

Auf einen Biss weisen außerdem hin:

  • herumliegende Gummi- und Kabelteile oder ausgelaufene Flüssigkeit unter dem Auto (laut Deutschem Jagdverband)
  • ein Motor, der nicht anspringt oder schlecht beschleunigt, sowie aufleuchtende Warnleuchten (laut ADAC)
  • bei Elektroautos eine Warnmeldung der Isolationsüberwachung, wenn eine Hochvoltleitung beschädigt ist

Nicht jede Spur stammt vom Marder. Auch Mäuse richten Bissschäden an: Stiftung Warentest berichtet über einen Fall, in dem Nagetiere, wahrscheinlich Mäuse, Wasserabläufe, einen Kopfairbag und Kabelisolierungen beschädigt hatten. Wie man Mäuse im Haus und in der Garage bekämpft, lesen Sie auf der Leistungsseite.

Welche Folgeschäden drohen nach einem Marderbiss?

Ein durchgebissenes Kabel ist meist günstig zu ersetzen, teuer werden die Folgen. Ein undichter Kühlschlauch kann den Motor überhitzen, ein angebissenes Zündkabel den Katalysator schädigen.

Der ADAC nennt als betroffen „alle gummielastischen Bauteile“, darunter Zündkabel, Kühl- und Scheibenwasserschläuche, Stromleitungen und Achsmanschetten. Angebissene Zündkabel führen zu unrundem Motorlauf, durchlöcherte Kühlmittelschläuche zu Kühlmittelverlust und Überhitzung. Über beschädigte Gummimanschetten dringt Schmutzwasser ein, was Antriebs- und Achsgelenke gefährden kann.

Zu Bremsleitungen gibt es keine belastbaren Belege: Das NABU-Info-Blatt (Stand 2006) hält fest, dass Schäden an Bremsschläuchen „bislang jedoch nicht bekannt geworden“ sind. Lassen Sie nach jedem Biss trotzdem den gesamten Motorraum in einer Werkstatt prüfen, bevor Sie weite Strecken fahren.

Bei Elektroautos wird ein Biss besonders teuer. Beschädigte Hochvoltleitungen dürfen laut ADAC aus Sicherheitsgründen nicht repariert werden, der betroffene Kabelstrang muss komplett getauscht werden. Das kostet je nach Modell Tausende Euro, bei Verbrennern liegen Marderschäden laut ADAC im Schnitt bei etwa 450 Euro.

Zahlt die Versicherung einen Marderschaden am Auto?

Ja, wenn Sie eine Teil- oder Vollkasko haben: Beide decken Marderbisse in aller Regel ab, eine reine Kfz-Haftpflicht zahlt nicht. Ob auch Folgeschäden ersetzt werden, hängt vom Tarif ab.

Der GDV formuliert es so: „Je nach Tarif ersetzen Versicherer nicht nur die unmittelbar beschädigten Teile, sondern auch Folgeschäden am Fahrzeug.“ Das Verbraucherportal der Versicherer, dieversicherer.de, unterscheidet zwei Varianten: Einige Tarife ersetzen nur die beschädigten Teile. Andere zahlen auch, wenn angebissene Zündkabel den Katalysator lahmlegen oder undichte Kühlschläuche den Motor überhitzen.

Wie sehr es auf den eigenen Vertrag ankommt, zeigen die GDV-Musterbedingungen AKB 2015 (Stand 30.04.2025). Sie sind eine unverbindliche Vorlage und führen Tierbiss nicht als eigenes Teilkasko-Ereignis auf. Versichert sind dort nach A.2.2.1.6 nur Kurzschlussschäden an der Verkabelung, mit dem Zusatz: „Folgeschäden sind nicht versichert.“ Den Marderbiss und seine Folgen regelt also jeder Versicherer in seinen eigenen Bedingungen.

Worauf sollten Sie im Vertrag achten?

Prüfen Sie, ob Folgeschäden ausdrücklich eingeschlossen sind und bis zu welcher Höhe. Stiftung Warentest rät, beim Abschluss der Teilkasko darauf zu achten, „dass auch die Folgeschäden mitversichert sind“, weil ein defekter Kühlschlauch einen kapitalen Motorschaden auslösen kann. Als Selbstbeteiligung empfiehlt sie 150 Euro.

Schon 2014 riet Stiftung Warentest außerdem zur Formulierung „Tierbisse“ statt nur „Marderschäden“, weil auch andere Tiere wie Katzen oder Ratten Schäden verursachen. Wer Ratten auf dem Grundstück hat, sollte darauf besonders achten. Fahren Sie ein Elektroauto, fragen Sie gezielt nach dem Schutz für Hochvoltleitungen und Akku.

Steigt nach einem Marderschaden der Beitrag?

Nach den GDV-Musterbedingungen gibt es Schadenfreiheitsklassen nur in der Haftpflicht- und der Vollkaskoversicherung (Abschnitt I.1). Fällt ein Schaden unter die Teilkasko, gilt der Vertrag nach I.4.1.2 d auch dann als schadenfrei, wenn Sie ihn über die Vollkasko abrechnen. Ob Ihr Vertrag diese Regel übernimmt, steht in Ihren eigenen AKB.

Was sollten Sie direkt nach einem Marderbiss tun?

Fotografieren Sie die Schäden, melden Sie sie sofort Ihrer Versicherung und lassen Sie das Auto in der Werkstatt prüfen. Danach sollte der Motorraum gewaschen werden, damit die Duftspuren verschwinden.

Der ADAC rät, die Versicherung „unmittelbar“ zu benachrichtigen und Fotos beizufügen. Die Motorwäsche ist wichtig, weil der nächste Marder sonst genau auf diese Markierungen reagiert. Laut dieversicherer.de reagieren Marder auf nichts „so aggressiv wie auf die Duftspuren ihrer Artgenossen“.

Welcher Marderschutz fürs Auto hilft wirklich?

Als wirksam gelten Elektroschockgeräte, die Abschottung des Motorraums und die Motorwäsche nach einem Befall. Duftstoffe und Hausmittel halten Marder nur kurz fern, bei Ultraschall sind die Quellen uneinig.

Elektroschockgeräte arbeiten nach dem Weidezaunprinzip: Kleine Kontaktplatten an den Einstiegsstellen geben dem Marder einen leichten Stromschlag. Der ADAC nennt sie „bewährt“ und empfiehlt einen sach- und fachgerechten Einbau. Die Übersicht fasst zusammen, wie ADAC, GDV, NABU, Deutscher Jagdverband und Stiftung Warentest die gängigen Maßnahmen einschätzen.

Schutzmaßnahme Wirkung laut Quelle Quelle
Motorwäsche nach einem Befall entfernt Duftspuren, auf die Artgenossen aggressiv reagieren; erste Maßnahme nach einem Biss ADAC, GDV, NABU
Elektroschockgerät (Kontaktplatten) „bewährt“ (ADAC), „als wirksam erwiesen“ (NABU); Einbau fachgerecht ADAC, NABU
Motorraum-Abschottung (Gitter, Kunststoff) „guter Schutz“; hält Marder von Kabeln und Schläuchen fern ADAC, dieversicherer.de
Schutzschläuche aus Hartkunststoff schützen einzelne Kabel, aber nicht Kühlschläuche und Gummimanschetten ADAC, dieversicherer.de
Maschendraht lose unter dem Motorraum Marder meiden Unbekanntes; in der Praxis „vielfach bewährt“ NABU, GDV, Deutscher Jagdverband
Ultraschallgerät vom ADAC und GDV als Option genannt; laut NABU „meist völlig wirkungslos“, laut DJV oft Gewöhnungseffekte ADAC, GDV, NABU, Deutscher Jagdverband
Duftstoffe und Hausmittel (WC-Steine, Knoblauch, Mottenkugeln, Sprays) nur kurzfristig, Marder gewöhnen sich schnell; Duftstoffe werden vom Regen abgewaschen dieversicherer.de, Stiftung Warentest 2012
Parken in der Garage wird empfohlen, wo immer möglich ADAC

Die Aussagen stammen aus Ratgebern und Praxiserfahrungen, nicht aus einem einheitlichen Labortest. Stiftung Warentest schrieb bereits 2012, Duftstoffe würden meist beim nächsten Regen weggewaschen und auch Ultraschall scheine wirkungslos. Am meisten bringt eine Kombination: Motorwäsche nach jedem Befall, dann ein mechanischer oder elektrischer Schutz. Wie regelmäßige Kontrollen rund um Haus und Garage aussehen, beschreibt die Seite zur Schädlingsvorbeugung mit Inspektion und Monitoring.

Darf man einen Marder selbst fangen?

Nein, ohne Jagdberechtigung nicht. Der Steinmarder ist nach § 2 Abs. 1 BJagdG jagdbares Haarwild, und das Fangen gehört nach § 1 Abs. 4 BJagdG zur Jagdausübung.

Rund um Wohnhäuser gelten zusätzliche Hürden. In befriedeten Bezirken ruht die Jagd nach § 6 BJagdG; was dazu zählt, regeln die Länder. Das Wildtierportal Baden-Württemberg des Landwirtschaftsministeriums nennt Wohngebäude und angrenzende Gebäude und erklärt für Baden-Württemberg: Hauseigentümer können einen Jäger ihrer Wahl beauftragen, die untere Jagdbehörde muss den Fang aber genehmigen. Und die Jagd im befriedeten Bezirk darf nur ausgeübt werden, „sofern präventive Maßnahmen keinen Erfolg versprechen“.

Auch für Jäger gibt es Grenzen. Fallen dürfen in Nordrhein-Westfalen laut Landwirtschaftsministerium NRW nur Revierjäger, Jagdaufseher und Personen mit anerkanntem Fangjagdlehrgang stellen, andere Länder haben eigene Regeln. Während der Jungenaufzucht sind die Elterntiere nach § 22 Abs. 4 BJagdG geschützt. Wer unerlaubt jagt, etwa in einem befriedeten Bezirk, riskiert nach § 39 BJagdG ein Bußgeld bis zu 5.000 Euro.

Fangen löst das Problem ohnehin selten. Laut NABU wird ein frei gewordenes Revier innerhalb von ein bis zwei Wochen von einem anderen Marder übernommen. Am Auto sind Vergrämen und Schützen deshalb der richtige Weg.

Was tun, wenn der Marder auch im Dach wohnt?

Ein Marder im Dachboden wird am Haus dauerhaft nur durch Vergrämen und das Verschließen der Einstiege vertrieben. Verschließen dürfen Sie aber erst, wenn keine Jungtiere mehr im Dach sind.

Das Wildtierportal Baden-Württemberg warnt: Wer den Elterntieren durch das Verschließen vorsätzlich den Weg zu den Jungen versperrt und diese verhungern, begeht eine Straftat. Laut NABU kommen die Jungen im März zur Welt und verlassen erst mit knapp zehn Wochen den Nestbereich.

Laut NABU nutzt ein Marder in seinem Revier mehrere Unterschlüpfe, etwa Dachböden, Scheunen oder Holzstapel. Der Marder im Motorraum kann also derselbe sein, der nachts im Dach poltert. Einen Überblick über alle Leistungen rund um Schädlingsbekämpfung und Wildtierabwehr finden Sie auf unserer Übersichtsseite. Wir vermitteln Ihnen einen Kammerjäger in Ihrer Nähe, der Einstiege findet und sichert, bei akutem Lärm in der Nacht auch über den Notdienst. Wer in einer Mietwohnung wohnt, findet im Beitrag Kammerjäger: Wer zahlt, Mieter oder Vermieter? ein Urteil zur Mietminderung wegen Marderlärm im Dach.

Dieser Beitrag ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall.

Quellen

  1. GDV – Mardersaison startet: Mehr als 250.000 Fahrzeuge pro Jahr betroffen (12.03.2026)
  2. GDV – Kfz-Versicherer erwarten bis zu 1100 Marderschäden täglich (10.03.2025)
  3. GDV – Allgemeine Bedingungen für die Kfz-Versicherung (AKB 2015), Stand 30.04.2025
  4. Die Versicherer (GDV) – Wie schütze ich mein Auto am besten vor Mardern?
  5. ADAC – Marderbiss am Auto: Was hilft als Marderschutz?
  6. ADAC – Marderschaden am Auto und Haus: Tipps für Versicherung, Schutz und schnelle Hilfe
  7. ADAC – Marderschaden am E-Auto: Warum das schnell teuer wird (25.11.2024)
  8. Stiftung Warentest – Kfz-Versicherung: Worauf Sie achten sollten (19.03.2026)
  9. Stiftung Warentest – Marderbiss am Auto: Die Automarder kommen (22.03.2012)
  10. Stiftung Warentest – Marderschäden: Teilkasko zahlt – aber wenig (16.07.2014)
  11. Stiftung Warentest – Teilkaskoversicherung: Bissschäden am Auto (16.10.2018)
  12. NABU – Info Steinmarder (Stand 2006, bereitgestellt vom Umweltbundesamt)
  13. Deutscher Jagdverband – Beißattacke unter der Motorhaube (21.07.2017)
  14. § 1 BJagdG – Inhalt des Jagdrechts
  15. § 2 BJagdG – Tierarten
  16. § 6 BJagdG – Befriedete Bezirke, Ruhen der Jagd
  17. § 22 BJagdG – Jagd- und Schonzeiten
  18. § 39 BJagdG – Ordnungswidrigkeiten
  19. Wildtierportal Baden-Württemberg (MLR) – FAQ zu Wildtieren im Siedlungsraum
  20. Ministerium für Landwirtschaft und Verbraucherschutz NRW – Fangjagd

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