Ein braunes Insekt huscht abends über die Küchenfliesen und verschwindet unter dem Kühlschrank. War das eine Kakerlake, ein Käfer aus dem Garten oder ein Silberfischchen? Die Antwort entscheidet darüber, ob Sie das Tier einfach nach draußen setzen können oder ob eine professionelle Schabenbekämpfung nötig ist. Dieser Beitrag zeigt anhand von Angaben des Umweltbundesamts, der Gesundheitsämter und städtischer Fachstellen, woran Sie Schaben erkennen und womit sie oft verwechselt werden.
Sind Kakerlaken und Schaben dasselbe?
Ja, Kakerlake ist die umgangssprachliche Bezeichnung für Schaben. In Deutschland sind laut Umweltbundesamt vier eingeschleppte Arten verbreitet, die in der Regel nur in Gebäuden vorkommen.
Das Umweltbundesamt nennt die Deutsche Schabe, die Orientalische Schabe, die Amerikanische Schabe und die Braunbandschabe. Am häufigsten treten in Wohnungen die Deutsche Schabe, auch Hausschabe genannt, und die Orientalische Schabe auf, die auch Küchenschabe heißt.
Das Informationsblatt zu Schaben von PAN Germany beschreibt das Grundmuster: ein 1 bis 4 cm langes, länglich-ovales und abgeflachtes Insekt mit langen Fühlern, gelbbraun oder rotbraun, das bei Störung sofort ein Versteck sucht.
Woran erkenne ich die Deutsche Schabe?
Die Deutsche Schabe ist laut UBA 14 bis 16 mm lang, hellbraun und hat lange, schnurförmige Fühler. Ihr wichtigstes Erkennungszeichen sind zwei dunkle Längsstreifen auf dem Halsschild, dem Rückenschild direkt hinter dem Kopf.
Die Fachstelle Schädlingsprävention der Stadt Zürich nennt außerdem zwei Anhänge am Hinterleib, die Cerci. Obwohl die Tiere Flügel haben, fliegen sie nicht. Jungtiere haben keine Flügel, sind etwas dunkler und je nach Alter 2 bis 9 mm lang.
Die Deutsche Schabe ist nachtaktiv. Wer abends in Küche oder Bad das Licht anschaltet, sieht sie meist nur noch in Ritzen verschwinden. Bevorzugt sitzt sie laut Stadt Zürich an warmen, feuchten Stellen, etwa hinter Kühlschrank, Geschirrspüler oder Kaffeemaschine.
Wie sehen Orientalische Schabe, Amerikanische Schabe und Braunbandschabe aus?
Orientalische und Amerikanische Schabe sind mit rund 3 cm deutlich größer als die Deutsche Schabe, die Braunbandschabe ist laut PAN Germany die kleinste Art im Haushalt.
Orientalische Schabe
Sie wird laut UBA 28 bis 30 mm lang und ist dunkelbraun bis schwarz. Die Weibchen haben nur kurze Stummelflügel, bei den Männchen bedecken die Flügel laut dem Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg gut drei Viertel des Hinterleibs.
Die Art verträgt laut Stadt Zürich mehr Kälte als andere Schaben. Typische Fundorte sind unbeheizte Keller, Waschküchen, Heizungsräume und die Kanalisation, in Wohnungen eher die unteren Stockwerke.
Amerikanische Schabe
Sie wird laut UBA 26 bis 38 mm lang und ist rotbraun. Das LGA Baden-Württemberg nennt sie die größte eingeschleppte Schabenart und beschreibt den Halsschild als rotgelb mit zwei dunkelbraunen Flecken. In Wohnungen ist sie selten, weil sie viel Wärme und Feuchtigkeit braucht.
Braunbandschabe
Sie misst laut UBA 10 bis 15 mm und ist hell- bis dunkelbraun. Die Stadt Zürich nennt als Merkmal zwei helle Querbänder auf dem Rücken mit einem braunen dazwischen. Anders als die Deutsche Schabe bleibt sie nicht in Küche und Bad, sondern verteilt sich im ganzen Gebäude und sitzt gern in Möbeln und Elektrogeräten.
Kakerlake oder Bernsteinschabe: Woran erkenne ich die harmlose Waldschabe?
Die Bernstein-Waldschabe hat keine dunklen Streifen auf dem Halsschild, sein Rand ist durchscheinend. Sie kommt im Sommer aus dem Freien, ist auch tagsüber aktiv und kann sich in Wohnungen nicht vermehren.
Das Merkblatt Waldschabe der Stadt Zürich stellt beide Arten gegenüber: Die Waldschabe tritt von Mai bis Oktober auf, wird von warmen Hausfassaden angelockt, und die erwachsenen Tiere fliegen bei warmem Wetter. Sie gelangt meist vereinzelt durch offene Fenster in die Wohnung, Ansammlungen bildet sie nicht. Die Deutsche Schabe dagegen ist ganzjährig im Haus, flieht das Licht und sitzt oft in großer Zahl im Küchenbereich.
Das Umweltbundesamt bestätigt: Die Bernstein-Waldschabe befällt keine Lebensmittel und kann sich in Gebäuden nicht fortpflanzen. Laut LGA Baden-Württemberg überlebt sie drinnen höchstens wenige Tage und spielt als Überträger von Krankheitserregern keine Rolle. Es reicht, das Tier draußen auszusetzen.
Kakerlake oder Käfer: Wo liegt der Unterschied?
Schaben sind flach, haben sehr lange, schnurförmige Fühler und laufen schnell ins Versteck. Teppich- und Speckkäfer, typische Käfer in Wohnungen, sind dagegen klein, rundlich und haben kurze Fühler.
Teppichkäfer messen laut Umweltbundesamt nur 1,7 bis 4,5 mm, sind rundlich bis oval und tragen kurze Fühler mit keulenartig verdickten Enden. Den eigentlichen Schaden richten ihre behaarten Larven an Wolle, Pelz und Teppichen an. Ihre Pfeilhaare können laut UBA Haut und Atemwege reizen.
Speckkäfer, zu denen die Teppichkäfer gehören, sind laut LAVES Niedersachsen etwa 1,5 bis 10 mm lang und gelten als Material- und Vorratsschädlinge. Welche Käfer in Textilien und Vorräten vorkommen und wie ein Fachbetrieb vorgeht, lesen Sie auf der Seite zur Bekämpfung von Teppich-, Speck- und Brotkäfern.
Einzelne Käfer, die aus dem Garten hereinkommen, sind dagegen kein Grund zur Sorge. Die Stadt Zürich zählt Käfer zu den Freilandinsekten, die sich in Gebäude verirren und dort in der Regel nach wenigen Tagen sterben.
Silberfischchen, Papierfischchen oder Kellerassel: Was ist harmlos?
Silberfischchen, Papierfischchen und Kellerasseln sind keine Schaben, und einzelne Tiere richten laut Umweltbundesamt und Stadt Zürich in der Regel keinen Schaden an. Sie unterscheiden sich schon auf den ersten Blick: Fischchen sind flügellos und haben drei Schwanzfäden, Asseln sind grau, gepanzert und haben viele Beine.
- Silberfischchen: Laut Umweltbundesamt 9 bis 11 mm lang, mit silbrig glänzenden Schuppen, langen Fühlern und drei fadenförmigen Anhängen am Hinterende. Sie brauchen eine hohe Luftfeuchtigkeit und gelten als Feuchteanzeiger in Bad, Küche und Keller. Hilfe bei starkem Auftreten bietet die Silberfischchen- und Papierfischchenbekämpfung.
- Papierfischchen: Mit rund 15 mm größer und eher braun als silbrig. Sie leben auch in trockenen Wohnräumen, fressen Papier und Karton und können Bücher und Tapeten schädigen. Eine Gesundheitsgefahr geht laut UBA von ihnen nicht aus.
- Kellerasseln: Laut Stadt Zürich bis 16 mm lang, grau und oval, mit sieben Brustsegmenten und je einem Beinpaar. Sie brauchen Feuchtigkeit, richten im Haus in der Regel keinen Schaden an und sterben in trockenen Wohnräumen nach kurzer Zeit. Warum sie trotzdem gehäuft auftreten, erklärt die Seite zu Kellerasseln, Spinnen und Ohrwürmern.
Welche Tiere sind Schädlinge und welche harmlos?
Alle vier eingeschleppten Schabenarten sind Hygieneschädlinge und gehören zum Fachbetrieb. Waldschaben, Kellerasseln und einzelne Käfer aus dem Garten sind harmlos, Fischchen und Teppichkäfer schädigen vor allem Material.
| Tier | Größe | Merkmale | Einordnung |
|---|---|---|---|
| Deutsche Schabe | 14–16 mm | hellbraun, zwei dunkle Längsstreifen auf dem Halsschild, nachtaktiv, Küche und Bad | Hygieneschädling |
| Orientalische Schabe | 28–30 mm | dunkelbraun bis schwarz, Weibchen mit Stummelflügeln, Keller und Bodennähe | Hygieneschädling |
| Amerikanische Schabe | 26–38 mm | rotbraun, Halsschild mit zwei dunklen Flecken, in Wohnungen selten | Hygieneschädling |
| Braunbandschabe | 10–15 mm | zwei helle Querbänder, in Möbeln und Elektrogeräten | Hygieneschädling |
| Bernstein-Waldschabe | 9–15 mm | gelblich, Halsschild ohne Streifen, fliegt, tagsüber aktiv, Mai bis Oktober | harmlos |
| Silberfischchen | 9–11 mm | silbrig, flügellos, drei Schwanzfäden, feuchte Räume | Lästling, Feuchteanzeiger |
| Papierfischchen | ca. 15 mm | bräunlich, lange Schwanzfäden, auch trockene Räume | Materialschädling |
| Teppichkäfer | 1,7–4,5 mm | rundlich, kurze Keulenfühler, behaarte Larven | Materialschädling |
| Kellerassel | bis 16 mm | grau, oval, gepanzert, sieben Beinpaare | Lästling, harmlos |
Größen laut UBA, Waldschabe laut LGA Baden-Württemberg, Kellerassel laut Stadt Zürich.
Welche Spuren verraten einen Schabenbefall?
Typische Spuren sind kleine dunkle Kotkrümel, die wie Kaffeesatz aussehen, braune Eipakete, abgestreifte Häutungsreste und bei starkem Befall ein unangenehmer, süßlicher Geruch. Wer Schaben tagsüber sieht, hat meist schon einen starken Befall.
- Kot: Schabenkot besteht laut Stadt Zürich aus kleinen, dunklen Körnchen, ähnlich wie Kaffeesatz. Auf Oberflächen bleiben schwarze Kotpunkte zurück.
- Eipakete (Ootheken): Die Eipakete der Deutschen Schabe sind laut LGA Baden-Württemberg etwa 6 bis 9 mm lang und enthalten 20 bis 40 Eier. Das Weibchen trägt sie bis kurz vor dem Schlupf mit sich. Die Orientalische Schabe legt kastanienbraune Eipakete ab, die laut Stadt Zürich an eine Handtasche erinnern.
- Häutungsreste: Die Jungtiere häuten sich mehrfach. PAN Germany nennt Häutungsreste neben Kot und Eipaketen als Rückstände in den Verstecken.
- Geruch: Schaben verständigen sich über Duftstoffe, die laut PAN als penetranter, süßlicher Geruch wahrnehmbar sein können. Bei der Orientalischen Schabe beschreibt das LGA einen charakteristischen, unangenehmen Geruch bei starkem Befall.
- Sichtungen am Tag: Laut PAN und LGA deuten tagsüber umherlaufende Schaben auf eine hohe Befallsdichte hin.
Suchen Sie gezielt hinter Kühlschrank, Spüle und Scheuerleisten, die das UBA als beliebte Verstecke nennt.
Warum gelten Schaben als Hygieneschädlinge?
Schaben verschmutzen Lebensmittel mit Kot und verschleppen Krankheitserreger. Das Umweltbundesamt stuft die an den Menschen angepassten Arten deshalb als relevante Hygiene- und Gesundheitsschädlinge ein.
Laut UBA wurden auf Schaben bisher etwa 40 Bakterienarten nachgewiesen, die beim Menschen Krankheiten auslösen können, darunter Salmonellen. Auch Viren und Pilzsporen werden übertragen. Schaben und ihre Ausscheidungen können außerdem Allergien auslösen, die Deutsche Schabe gilt als wichtiger Faktor bei der Entstehung von Hausstauballergien.
Mit mangelnder Sauberkeit hat ein Befall nichts zu tun. Schaben werden laut UBA meist als blinde Passagiere mit Verpackungen, gebrauchten Elektrogeräten oder Reisegepäck eingeschleppt. In Mehrfamilienhäusern wandern sie laut Stadt Zürich entlang von Lüftungs- und Leitungssträngen weiter, sodass oft mehrere Wohnungen betroffen sind. Besonders gefährdet sind Großküchen und Bäckereien. Wie Betriebe mit regelmäßigem Monitoring vorbeugen, beschreibt die Seite zur Schädlingskontrolle für Gastronomie und Lebensmittelbetriebe.
Wie lasse ich ein Tier sicher bestimmen?
Fangen Sie das Tier in einem verschließbaren Glas oder mit einer giftfreien Klebefalle und lassen Sie es von Fachleuten bestimmen. Das UBA betont, dass die Art korrekt bestimmt werden muss, weil die Bekämpfung von der Schabenart abhängt.
PAN Germany empfiehlt Klebefallen mit Lockstoff statt Fallen mit Insektengift. Stellen Sie sie an Schranksockeln, Fußleisten und unter der Spüle auf, denn dort zeigen sie auch, wo der Befall am größten ist. Die gefangenen Tiere sollte laut PAN eine fachkundige Person bestimmen, etwa ein Schädlingsbekämpfer oder ein Hygieneinstitut. Zertreten Sie keine Schaben, weil Eier mit der Schuhsohle verschleppt werden können.
Ein scharfes Foto von oben hilft zusätzlich, weil es die Zeichnung auf dem Halsschild zeigt. Die Stadt Zürich rät, Funde gerade im Sommer bestimmen zu lassen, weil Deutsche Schabe und Waldschabe oft verwechselt werden.
Manche Städte bieten die Bestimmung kostenlos an. Die Stadt Köln etwa bestimmt Schädlinge in ihrer Desinfektionsstelle, wenn Sie die Tiere mitbringen, und berät telefonisch. Weitere Anlaufstellen und Meldewege finden Sie auf der Seite Kammerjäger in Köln. In anderen Städten lohnt eine Nachfrage beim örtlichen Gesundheitsamt.
Warum sollte ich Schaben nicht einfach mit Spray bekämpfen?
Ein Insektenspray trifft nur die sichtbaren Tiere, nicht die Verstecke und Eipakete. Laut Stadt Zürich bringen Sprays bei Schaben keinen befriedigenden Erfolg, und PAN Germany warnt, dass falsch eingesetzte Mittel die Tiere in noch unbelastete Räume vertreiben.
Das PAN-Informationsblatt nennt einen weiteren Grund: Der falsche Einsatz von Insektengiften kann zu Resistenzen führen. Das UBA berichtet zudem, dass es Populationen der Deutschen Schabe gibt, die Glucose meiden und deshalb häufig verwendete Gelköder nicht mehr annehmen. Bei einer Bekämpfung sollten deshalb auch Nachbarwohnungen kontrolliert werden.
Das Zürcher Merkblatt zu Insektensprays zählt Schaben ausdrücklich zu den Fällen, in denen man mit einem Spray keine Chance hat. Bei Waldschaben, Kellerasseln und Käfern aus dem Freien lohnt sich ein Spray laut Merkblatt ebenfalls nicht, weil die Tiere drinnen ohnehin bald sterben. Warum auch bei Ameisen Hausmittel und Sprays selten das Nest erreichen, lesen Sie im Beitrag Ameisen im Haus: Welche Hausmittel helfen.
Wann brauche ich einen Kammerjäger?
Sobald eine der vier eingeschleppten Schabenarten bestimmt ist oder Sie Kot, Eipakete oder Häutungsreste finden, sollte ein Fachbetrieb übernehmen. Das Umweltbundesamt empfiehlt ausdrücklich, einen Schabenbefall professionell bekämpfen zu lassen.
In Mietshäusern informieren Sie zuerst die Hausverwaltung, denn der Ursprung liegt laut PAN oft außerhalb der eigenen Wohnung, etwa in einem angrenzenden Gastronomiebetrieb. Wer die Kosten trägt, klärt der Beitrag Kammerjäger: Wer zahlt, Mieter oder Vermieter?.
Wir vermitteln Ihnen einen geprüften Kammerjäger in Ihrer Nähe, der die Art bestimmt, die Verstecke findet und Ihnen den Festpreis vor Arbeitsbeginn nennt.
Quellen
- Umweltbundesamt: Schaben
- PAN Germany (über Umweltbundesamt): Informationsblatt Schaben / Kakerlaken (PDF)
- Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg: Hygieneschädlinge und Ektoparasiten, Schaben (PDF)
- Stadt Zürich, Fachstelle Schädlingsprävention: Merkblatt Die Deutsche Schabe (PDF)
- Stadt Zürich, Fachstelle Schädlingsprävention: Merkblatt Die Orientalische Schabe (PDF)
- Stadt Zürich, Fachstelle Schädlingsprävention: Merkblatt Die Braunbandschabe (PDF)
- Stadt Zürich, Fachstelle Schädlingsprävention: Merkblatt Die Waldschabe (PDF)
- Stadt Zürich, Fachstelle Schädlingsprävention: Merkblatt Sinnvoller Umgang mit Insektensprays (PDF)
- Stadt Zürich, Fachstelle Schädlingsprävention: Merkblatt Kellerassel (PDF)
- Umweltbundesamt: Silber-, Ofen- und Papierfischchen
- Umweltbundesamt: Teppichkäfer
- LAVES Niedersachsen: Teppichkäfer und andere Speckkäfer
- Stadt Köln: Beratung und Information zu Schädlingen